Wort an die Gemeinden

Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

in allem Fragen und Zagen, in unserem Sorgen um das Morgen bleibt die Osterbotschaft unverrückbar und unerschütterlich. Mit ihr grüßen wir Sie herzlich und wünschen Ihnen auch in diesem so bisher einmaligen und hoffentlich einzigartigen Osterfest „Frohe Ostern!“.

 

Es ist schon merkwürdig, wie damals ein erstes Urteil – ein Männerurteil – über Ostern ausfällt: Es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. Sie waren keine Atheisten. Auch keine Spötter. Es waren die Apostel, die Jünger. Sie glaubten den Frauen nicht. „Jesus ist auferstanden!“ Was für ein Geschwätz. Ein „Märchen“, so in der alten Übersetzung Luthers.

Und mit Goethe sagt heute so mancher: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Kann nicht sein! Tot ist tot.

Johannes Mario Simmel soll in einem Interview zum Thema Tod und Sterben gesagt haben: „Wenn ich tot bin, verflucht noch mal, muss Schluss sein, sonst sterb‘ ich nicht!“

Aber seit Jesus ist mit dem Tod nicht Schluss. Gott sei Dank nicht. Sein Tod am Kreuz hatte zwar alle Hoffnungen der Jünger durchkreuzt. Sie waren am Ende. Jesus war’s nicht. Er nahm den Faden zu ihnen noch einmal auf, den Faden ihres Glaubens. Der Auferstandene begegnete ihnen in ihrer Trauer, in ihrer Hoffnungslosigkeit, in ihrem Schämen über ihr Versagen. Das brachte sie auf die Beine. Deshalb wissen wir heute von Jesus und hören die Osterbotschaft. Sie ist der Kern. Sie ist die Mitte unseres Glaubens.

Paulus schreibt in 1. Kor. 15, 19-28 - es ist der Predigttext für das Osterfest:

 

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße legt.

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn alles hat er unter seine Füße getan. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem. Amen.

 

Alles hängt an Ostern. Ohne die Auferstehung bleibt das Kreuz ein Zeichen des Todes, der Gekreuzigte ein Gescheiterter und bleiben wir Christen geprellte und betrogene Leute, die elendesten unter den Menschen.

Und wirklich: Ohne Ostern sind wir verdammt, hoffnungslos zu leben, ohne Perspektive, ohne Ziel. Was ist das auch für ein Leben, das im Tod endet, in Sarg und Grab? Die Konsequenz daraus nennt Paulus wenige Verse später: Lasset uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot! Lasst uns leben, egal, ob auf Kosten von Mitmenschen oder Natur. Hauptsache jetzt gelebt!

Das könnte manchen herren so passen, dichtet Kurt Marti:

 

das könnte manchen herren so passen,

wenn mit dem tode alles beglichen

die herrschaft der herren

die knechtschaft der knechte

bestätigt wäre für immer

 

das könnte manchen herren so passen

wenn sie in ewigkeit

herren blieben im teuren privatgrab

und ihre knechte

knechte in billigen reihengräbern

 

aber es kommt eine auferstehung

die anders ganz anders wird als wir dachten

es kommt eine auferstehung die ist

der aufstand gottes gegen die herren

und gegen den herrn aller herren: den tod.

 

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling... Wie längst Schneeglöckchen, Krokusse, ja, schon Osterglocken und Tulpen den Frühling ansagten und auch der Sommer kommen wird, so ist die Auferstehung von Jesus Ansage. Zwar sind noch die Gräber auf unseren Friedhöfen. Noch rührt sich nichts. Noch muss mit Schmerz von lieben Menschen Abschied genommen werden. Mit besonders vielen und unter unseligen Umständen wegen der Coronavirus Pandemie.  Noch lässt die Auferstehung der Toten auf sich warten.

Jesus Christus ist der „Erstling“. Seine Auferstehung ist kein isoliertes Ereignis. Der Anfang ist gemacht. Gott hat den Anfang gemacht.

Jesus Christus zieht andere nach sich. Ein Triumphzug wird ihm folgen, der gewaltigste Triumphzug aller Zeiten. Jesus voraus; ihm folgen alle, die ihm „angehören“ – danach das Ende.

Es wird dabei weder Zuschauer geben noch solche, die den Augenblick verschlafen oder ungestört in einer vermeintlichen oder vielleicht sogar erhofften Grabesruh bleiben. Alle werden dabei sein, wenn Christus das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird: Herrschende und Beherrschte, Mächtige und Ohmächtige, Gewalttätige und die Gewalt zu erleiden hatten.

Alle Herrschaft und Macht und Gewalt wird vernichtet werden. Und am Ende auch der letzte Feind, der Tod.

Ist das eine Vertröstung auf ein Jenseits? Ist es Flucht aus dem Diesseits?

Die Jünger waren am Ostermorgen noch völlig rat- und hoffnungslos. Sie waren am Ende. Plötzlich aber, wie durch ein Wunder, stehen sie auf der Straße. Sie riskieren Kopf und Kragen für die Botschaft: Der Herr ist auferstanden. Ihr Leben ist durch die Begegnung mit ihm, es ist durch Ostern grundlegend verändert.

Und doch gibt es auch für sie noch Leid und Schmerz, Trauer und Tod – den Tod anderer und den eigenen. Aber mit Ostern, mit der Auferstehung Jesu, kommt Hoffnung in das Leben, Hoffnung über den Tod hinaus.

„Der Tod hat keine Hände“, ließen Eltern auf das Grabkreuz ihrer 17-jährigen Tochter schreiben. Der Tod wird keinen festhalten können – niemanden.

Dank sei Gott, der an Ostern selbst Hand angelegt hat.

 

Mit herzlichen Grüßen zum Osterfest – auch im Namen von Dekan Reiner Zeyher

Ihr Dekan Friedrich Zimmermann

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