Herbstsynode des Kirchenbezirks Vaihingen am 22. November 2019

Zusammen auf dem Weg im Namen Jesu

von Frau Dr. Gudrun Aker

Gewoben in Gottes Geschichte

Die letzte Sitzung der Bezirkssynode Vaihingen in der zu Ende gehenden Wahlperiode begann mit einem Gottesdienst in der Vaihinger Stadtkirche. Er stand unter dem Motto des Jubiläums „100 Jahre Evangelische Frauen in Württemberg“, das in diesem Jahr begangen wird: Gewoben in Gottes Geschichte. Wir alle, Männer und Frauen, so Pfarrerin Barbara Martin in ihrer Predigt, sind eingewoben in Gottes Geschichte, weben aber auch aktiv mit an seinem Schöpfungswerk, jede und jeder von uns an dem Platz, an den wir gestellt sind, mit dem uns eigenen Lebensfaden. Gottes Geschichte hat keine Begrenzungen wie der Webrahmen auf dem Altar, der das Motto versinnbildlichte. In ihr sind offene Räume für alle, und die zeitliche Grenze unseres Lebens ist aufgehoben durch Jesus Christus in der Ewigkeit.

Im Kirchenbezirk Vaihingen wurde die Frauenarbeit in den letzten 35 Jahren ganz wesentlich von Anneliese Kögel aus Enzweihingen mitbestimmt. Sie sei geradezu „das Gesicht der Frauenarbeit“ gewesen, „unverwechselbar, leidenschaftlich, couragiert und kompetent“, so Dekan Reiner Zeyher, der ihr im Auftrag des Landesbischofs die Johannes-Brenz-Medaille in Bronze verlieh. Im Jahr 1984 begann ihr Engagement im Frauenkreis ihrer Kirchengemeinde, seit 1994 war sie Vorsitzende des Bezirksarbeitskreises Frauen (BAF). Die Frauenkreise, der Weltgebetstag, die Konfirmandenmütterarbeit und der Frauenkreuzweg in der Passionszeit bildeten die Schwerpunkte ihres Wirkens. Es sei ihr wichtig gewesen, den Frauen in der Kirche eine Stimme zu geben, sagte Anneliese Kögel in ihrem Dankeswort. Kirche sei mehr als der Gottesdienst am Sonntag; Gottes Wort sei auch im Alltag erlebbar. Dass es nicht immer leicht war, den Bezirksarbeitskreis am Leben zu erhalten, verhehlte sie nicht, doch „Gott hat mich geführt“. Zuletzt bestand der Arbeitskreis noch aus ihr selbst und Gerda Müssigmann aus Spielberg, die an diesem Abend auch geehrt werden sollte, jedoch erkrankt war. Den Weltgebetstag 2020 wird Anneliese Kögel noch organisieren. Wie es danach mit der Frauenarbeit im fusionierten Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen weiter gehen wird, ist offen.

Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen

Unter den Lehrtext des Tages aus dem Matthäusevangelium stellte Dekan Reiner Zeyher seinen Bericht über die zurückliegenden sechs Jahre. Wir sind in allen Veränderungsprozessen, denen die Kirche unterworfen ist, gemeinsam auf dem Weg im Namen Jesu. Gott selbst wirkt in unserer Mitte. Auf ihn, der uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit verheißen hat, vertrauen wir. Als Schwerpunkte der Synodalarbeit nannte Dekan Zeyher die Ausweitung der Deputate der Pfarramtssekretärinnen, die Zukunftswerkstatt Diakonat, eine neue Kindergartenträgerstruktur, die Einführung der Budgetierung für die Gemeinden und die Bewältigung der Pfarrpläne 2018 und 2024. Der zu erwartende Pfarrplan 2030 ist der Hauptgrund für die Fusion mit dem Kirchenbezirk Ditzingen zum 1. Januar 2020, da sie dem dadurch entstehenden größeren Kirchenbezirk mehr Handlungsspielraum eröffnet. Der Übergang wird von neun Arbeitsgruppen begleitet. Beide bisherigen Dekane bleiben im Amt, der Sitz des geschäftsführenden Dekans wird in Vaihingen sein. Veränderungen gibt es bei den Schuldekanaten. Das Büro der Schuldekanin, die bislang für die Kirchenbezirke Mühlacker und Vaihingen zuständig ist, wird zum 1. August 2020 nach Vaihingen verlegt; der bisherige Schuldekan für die Kirchenbezirke Ditzingen und Leonberg wird die Religionslehrkräfte in den Bezirken Mühlacker und Leonberg betreuen. Die Aufgaben der kirchlichen Verwaltungsstelle Mühlacker werden zukünftig vom neuen Standort Mühlacker  der Verwaltungsstelle Ludwigsburg wahrgenommen.

Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen

Der Vorsitzende der Bezirkssynode Albrecht Noller aus Oberriexingen, unter dessen souveräner Leitung 14 Synoden tagten, darunter zwei Sondersynoden zur Budgetierung und zur Fusion, gibt sein Amt mit Ablauf dieser Wahlperiode auf. Da der geschäftsführende Dekan aus Vaihingen sein wird, soll der oder die Vorsitzende der neuen Synode aus dem Teilbereich Ditzingen kommen. Neben den vielen Verwaltungsentscheidungen waren ihm, betonte Albrecht Noller in seinem Abschlussbericht, immer wieder auch biblisch-theologische Themen wichtig. Als Beispiele nannte er die Vorstellung der im Kirchenbezirk tätigen Werke im Jahr 2015 oder den Kirchengemeinderatstag 2016 zum Thema „Die Volkskirche verändert sich“.  Die Verwaltungsaufgaben dürften freilich nicht zu gering geschätzt werden, seien sie doch nötig, um die Rahmenbedingungen für die Verkündigung des Evangeliums zu schaffen. Auch sie brauchen den Segen Gottes, denn wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen (Ps 127,1).

Ein neues Logo und finanzielle Rahmenbeschlüsse

Der neue Kirchenbezirk bekommt ein neues Logo, das von Pfarrer Friedemann Wenzke aus Kleinsachsenheim vorgestellt wurde.  Es verbindet das Zeichen des Kreuzes mit den Zeichen Weintraube und Ähre, die beide der biblischen Tradition entstammen, hier aber auch für den Stromberg und das Strohgäu stehen.

Wie stets im Herbst standen außerdem die finanziellen Rahmenbeschlüsse für das kommende Jahr und der Plan für die kirchliche Arbeit 2020 auf der Tagesordnung. Da die Vaihinger Synode keine Beschlüsse für den Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen fassen kann, wurden nur Empfehlungen für die neue Bezirkssynode abgegeben. Bis zu deren konstituierenden Sitzung am 14. Februar 2020 nehmen ab dem 1. Januar 2020 die beiden Dekane als „Interimssynode“ die Aufgaben der Bezirkssynode und des Kirchenbezirksausschusses wahr. Die Kirchensteuereinnahmen der württembergischen Landeskirche sind derzeit noch hoch, daher haben sich die Zuweisungen an die Gemeinden um 3,4 Prozent erhöht. Der stetige Rückgang der Gemeindegliederzahlen um jährlich etwa 1,6 Prozent und eine bereits absehbare Eintrübung der Konjunktur mahnten aber zur Vorsicht, so Bezirksrechnerin Monika Höschle.  

Gottes Geschichte geht weiter

Nach einem Bericht der Landessynodalen über die zurückliegende Legislaturperiode und dem Dank an die Mitglieder der Bezirkssynode und alle Mitarbeiter im Hintergrund beschloss Albrecht Noller die Sitzung wie gewohnt mit Luthers Abendsegen.  Der Kirchenbezirk Vaihingen, der als eines von 23 württembergischen Urdekanaten im Jahr 1547 gegründet wurde, ist fast so alt wie dieses vertraute Abendgebet aus der Zeit der Reformation. Ein langer Abschnitt seiner Geschichte, auf die im Jubiläumsjahr 2022 zurückgeblickt werden soll, geht nun zu Ende und etwas Neues beginnt. Eine Kirche, die unverkrampft mit ihren Traditionen lebt und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts furchtlos annimmt im Vertrauen auf Gottes Gegenwart, muss darüber nicht erschrecken, sondern darf getrost in die Zukunft sehen, denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Gottes Geschichte geht weiter.