Was ist das Kirchenjahr?

Anders als das Kalenderjahr beginnt das Kirchenjahr am 1. Advent.  Das Kirchenjahr endet Ende November mit dem Ewigkeitssonntag. Das Kirchenjahr orientiert sich an den kirchlichen Festen.

Das Kirchenjahr läuft nach folgendem Schema ab:

Advent, Weihnachten, Epiphanias, Passion, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis, Erntedankfest, Reformationstag, Buß- und Bettag, Volkstrauertag, Toten- bzw. Ewigkeitssonntag.

 

Bedeutung der einzelnen Fest

  • add Advent

    wir bereiten uns auf die Geburt Jesu Christi vor.

    An jedem Adventssonntag wird eine Kerze am Adventskranz angezündet. Die Kerzen stehen dafür, dass es nicht mehr lange dauert, bis Jesus Christus als Licht der Welt zu uns kommt.

  • add Weihnachten

    An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi. Jesus Christus kam als Geschenk Gottes zu uns in die Welt. Deshalb beschenken wir uns jedes Jahr wieder an Weihnachten um uns an dieses besondere Geschenk zu erinnern.

  • add Epiphanias | Erscheinungsfest

    Epiphanias heißt übersetzt die Erscheinung des Herrn.

    Dieses Fest feiern wir am 6. Januar und ist eher unter dem Namen Die Heiligen drei Könige bekannt.

    Die Sonntage nach Epiphanias werden gezählt. Die Epiphanias-Zeit dauert bis in die Faschingszeit.

  • add Passion

    Die Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch. In der Passionszeit bereiten wir uns auf Ostern vor.

    Die Woche vor Ostern heißt Karwoche.

    Am Gründonnerstag erinnern wir uns an das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat. An Karfreitag denken wir an die Kreuzigung Jesu.

  • add Ostern

    An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.  

    Das Osterdatum richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühling.
    So kann das Osterfest zwischen dem 22. März und 22. April sein. Die Osterzeit ist eine Freudenzeit in der Kirche.

  • add Himmelfahrt

    Himmelfahrt ist 40 Tage nach Ostern.

    Himmelfahrt hat seinen Namen daher, dass Jesus Christus zu Gott in den Himmel aufgefahren ist.

  • add Pfingsten

    Das Pfingstfest findet 50 Tage nach Ostern statt und hat seinen Namen von dem griechischen Wort Pentecoste, das fünfzig bedeutet.

    An Pfingsten feiern wir die Entstehung der Kirche.

  • add Trinitatis

    Die Trinitatiszeit beginnt am Sonntag nach Pfingsten. Trinitatis bedeutet Dreieinigkeit und verdeutlicht, dass Gottvater, Gottsohn und Gott Heiliger Geist eins sind.

    Die Trinitatiszeit ist die längste Zeit im Kirchenjahr und reicht bis in den Herbst.

    Das Erntedankfest, der Reformationstag und der Buß- und Bettag fallen in die Trinitatiszeit.

  • add Volkstrauertag

    Der Volkstrauertag ist im November und der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr.

    Am Volkstrauertag denken wir an die Opfer der beiden Weltkriege.

  • add Ewigkeitssonntag

    Der Ewigkeitssonntag ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr.

    Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag werden die Namen der Personen vorgelesen, die innerhalb des Kirchenjahres verstorben sind.

 

Hintergrundinformationen zum kirchlichen Jahresablauf

Palmsonntag bis Ostern

Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, die Karwoche. Kara, das hieß im Althochdeutschen Klage, Trauer - und davon ist diese Woche geprägt. Sie beginnt mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem die Menschen ihm noch zujubelten. Am Gründonnerstag denken wir in Abendgottesdiensten an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern, bei dem er zum ersten Mahl die Einsetzungsworte zum Abendmahl sagte, die wir in unseren Abendmahlsfeiern stets wiederholen. Grün-Donnerstag, das hat nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern kommt ursprünglich von "greinen, weinen".

Der Karfreitag, die Erinnerung an den Kreuzestod Jesu, wurde lange Zeit in der Kirche nicht mit Gottesdiensten begangen. Es wurde gefastet, wie an jedem Freitag, an diesem vielleicht besonders ernsthaft. In der Jerusalemer Gemeinde bildete sich ab dem 4. Jahrhundert dann die Tradition heraus, in einer Prozession an Jesu letzten Weg und an seinen Tod zu erinnern. Und an diese Prozession schloss sich allmählich ein Wortgottesdienst mit Lesungen und Gebeten an. Für die Protestanten ist der Karfreitagsgottesdienst besonders wichtig - wird hier doch daran gedacht, wie viel Gott investiert hat, wie viel Jesus bereit war einzusetzen für die Menschen, damit sie die Liebe und Nähe Gottes erkennen können. Karfreitag ohne Ostern freilich bleibt leer - aber Ostern ohne Karfreitag vergisst, dass der Weg zur Auferstehung auch für Jesus durch den Tod hindurch führen musste.

Jetzt ist es endlich so weit: wir dürfen Ostern feiern, den Mittelpunkt, das Zentrum, das wichtigste christliche Fest. Das Wichtigste? Ist das nicht Weihnachten? Bei uns in Europa  ist das so: Weihnachten stellt alles in den Schatten - und Ostern läuft immer hinterher. Doch die Reihenfolge bleibt falsch: ohne Ostern, ohne Jesu Auferstehung hätten wir überhaupt keinen Grund Weihnachten zu feiern. Nur: Ostern ist so viel schwieriger. Die Geburt eines Kindes - das kennen wir, da können wir manches nachempfinden - die Auferweckung Jesu, die sprengt alles, was wir uns vorzustellen vermögen. Das kennen wir nicht. Dem können wir uns nur jedes Jahr neu versuchen anzunähern. Ostern ist das älteste Fest, vermutlich das erste, das die Christen im Ablauf eines Jahres überhaupt gefeiert haben. Zuerst war jeder Sonntag Ostern, an jedem Sonntag wurde die Auferweckung Jesu gefeiert - und dann entstand, noch angelehnt an das jüdische Passahfest, die jährliche Osterfeier. Seit dem Konzil von Nicäa 325 einigten sich dann die meisten Kirchen auf einen anderen Termin: Immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang: das war das Datum für das Osterfest. Ostern war lange Zeit der einzige Tauftermin im Jahr. Hier begann das neue Leben. Nach den Taufen (und später auch der Tauferinnerung) schloss sich die Feier des Abendmahls an. Der Osterhase tauchte erst im 17. Jahrhundert auf, zu Ostern kam er wie die Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit.

 

Pfingsten

 Pfingsten als Fest der Verständigung

Neben Weihnachten und Ostern ist Pfingsten das kirchliche Fest, das wohl am wenigsten bekannt ist. Pfingsten gilt heutzutage als Geburtstag der Kirche. Diesen Geburtstag der Kirche feiern wir nun schon seit über 2000 Jahren. Immer wieder werden wir an das Sprachen-Wunder erinnert, von dem uns die Apostelgeschichte berichtet: Damals vor über 2000 Jahren haben sich Menschen aus ganz verschiedenen Städten und Ländern in Jerusalem getroffen und obwohl sie verschiedene Sprachen gesprochen haben, haben sie sich verstanden. Wie ein Wunder erschien es den Menschen! Wie konnte so etwas möglich sein? Gott hatte bewirkt, dass sich die Menschen verstanden!

Auch bei uns in Vaihingen leben Menschen, die aus sehr verschiedenen Ländern kommen und die unterschiedliche Sprachen sprechen. In diesem Jahr sind sehr viele Flüchtlinge nach Vaihingen gekommen und es werden noch mehr kommen. Die Sprache scheint immer wieder ein Hindernis zur Verständigung zu sein. Wie kann es gelingen, dass wir uns verstehen? Diese Frage stellten sich sicherlich viele von uns. Und trotz der unterschiedlichen Sprachen, machen wir immer wieder die Erfahrung, dass wir einander verstehen, sei es durch Gesten oder Blicke. Ich spüre immer wieder, dass zu einer guten Verständigung nicht allein die Sprache ausreicht. Zu einer guten Verständigung gehört mehr. Ich denke davon erzählt uns die Pfingstgeschichte der Bibel und sie ermutigt uns dazu einander zu verstehen, auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Gott wird auch bei uns dazu beitragen, dass wir einander verstehen!

 Text: Pfarrerin Ira Philipp

 

Erntedank

Gebet zu Gott

Erntedank ist immer der erste Sonntag nach Michaelis, dem 29. September, also in der Regel der erste Oktobersonntag.

Allerdings ist dieses Fest nicht absolut festgelegt. Die Kirchengemeinden haben das Recht, ihn um ein bis zwei Sonntage zu verschieben.

Beim Erntedankfest ist der Dank an Gott wichtig für alles, was uns geschenkt wird. Wir danken dafür, dass wir essen und trinken können, dass wir und alle Geschöpfe leben dürfen von und auf dieser Erde. In unseren Gottesdiensten denken wir aber auch an die Menschen und Länder, in denen es nicht reicht zum Leben und versuchen zu helfen.

In den Kirchen werden Altäre und Tische mit Blumen und den verschiedenen Feld- und Gartenfrüchten geschmückt. Die Gaben werden danach in der Regel an Bedürftige verteilt.

Erntedank ist seit dem 3. Jahrhundert kirchlich belegt. Schon im Alten Testament feierte man im Herbst die Früchte der Erde und menschlichen Arbeit. Später gab es zwei Erntefeste: das Wochenfest Schawuot als Getreide- Erntefest und das Laubhüttenfest als Wein- und Gesamt- Erntedankfest.

Ein Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch bringt die Haltung zum Ausdruck, in der Christen Erntedank feiern:

1. Wir pflügen, und wir streuen / den Samen auf das Land, / doch Wachstum und Gedeihen / steht in des Himmels Hand: / der tut mit leisem Wehen / sich mild und heimlich auf / und träuft, wenn heim wir gehen, / Wuchs und Gedeihen drauf.

(Kehrvers):Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, / drum dankt ihm, dankt, / drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

2. Er sendet Tau und Regen / und Sonn- und Mondenschein, / er wickelt seinen Segen / gar zart und künstlich ein / und bringt ihn dann behende / in unser Feld und Brot: / es geht durch unsre Hände, / kommt aber her von Gott.

(Kehrvers):Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, / drum dankt ihm, dankt, / drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

3. Was nah ist und was ferne, / von Gott kommt alles her, / der Strohhalm und die Sterne, / der Sperling und das Meer. / Von ihm sind Büsch und Blätter / und Korn und Obst von ihm, / das schöne Frühlingswetter / und Schnee und Ungestüm.

(Kehrvers):Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, / drum dankt ihm, dankt, / drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

4. Er lässt die Sonn aufgehen, / er stellt des Mondes Lauf; / er lässt die Winde wehen / und tut den Himmel auf. / Er schenkt uns so viel Freude, / er macht uns frisch und rot; / er gibt den Kühen Weide / und unsern Kindern Brot.

(Kehrvers): Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, / drum dankt ihm, dankt, / drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Text: nach Matthias Claudius 1782 | Melodie: Hannover 1800

 

Autor: Pfarrer Friedemann Wenzke