Blickwinkel

 

 

Wie gehe ich mit Lebensveränderungen um?

von Pfarrer Friedemann Wenzke, Kleinsachsenheim

Ich nehme nicht gerne Abschied. Abschied nehmen kostet Kraft. Und doch ist es wichtig, sich gut zu verabschieden im Leben. Manchmal endgültig, manchmal auch nur von einer bestimmten Lebensphase. Immer wieder muss ich Abschied nehmen und damit etwas Liebgewonnenes loslassen. Weil das Leben Veränderungen mit sich bringt. Manche kann ich steuern, andere Entwicklungen kommen einfach auf mich zu und ich muss mich ihnen stellen. Und plötzlich heißt es Loslassen von liebgewordenen Gewohnheiten, von vertrauten Menschen, vielleicht sogar von der bisher so stabilen Gesundheit. Manches hatte ich mir so anders vorgestellt.

Wenn wir auf die bisherigen Monate dieses Jahres schauen, geht es uns wohl allen so, dass wir vieles anders geplant hatten, als es jetzt gekommen ist. Man kann sich darüber aufregen. Man kann sich sogar den Entwicklungen verschließen. Man kann es beklagen. Oder man stellt sich den Veränderungen und sucht nach den Chancen und neuen Gestaltungsspielräumen darin. Das ist ein Prozess und sicher nicht einfach. Manchmal muss man nach den Chancen einer neuen Lebenssituation lange suchen und ringen.

Doch es bleibt unumgänglich: Das Leben erfordert immer wieder, Bekanntes loszulassen und weiterzugehen. Wer am Alten emotional haften bleibt und nicht bewusst loslässt, kann auch nur schwer neues Land erobern. Der wird viele Chancen seines Lebens ungenutzt verstreichen lassen. Es braucht innere Freiheit, um sich wieder mit ganzem Herzen auf neue Gegebenheiten einzulassen. Paulus schreibt im Philipperbrief 3,13f in Bezug auf seine Arbeit im Reich Gottes: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist.“

Paulus bringt dadurch auf den Punkt, dass man sich bewusst auf das vor einem Liegende konzentrieren und die neue Aufgabe oder den neuen Lebensabschnitt mit Leidenschaft anpacken soll. Klar: In der Phase des Loslassens fällt das schwer und das darf ich mir auch eingestehen. In dieser Zeit darf ich gnädig mit mir selbst sein und mir auch Zeit für den Abschied geben. Denn nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für neue Aufgaben oder eine neue Lebensphase. Und dann darf ich mutig und getrost in die neue Lebensphase starten. In einem Gesangbuchlied (EG 394) heißt es: „Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehen an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit!“ Darauf dürfen wir bauen in all unseren Lebensveränderungen: Der Herr ist treu und geht mit! So kann man mutige Schritte tun!

Übrigens: für mich sind das keine theoretischen Worte. Ich wechsele im August die Pfarrstelle und ziehe mit meiner Frau und meinen drei Kindern nach Bayreuth.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Ihr Pfarrer Friedemann Wenzke, Kleinsachsenheim